Hotel Maison Alfort - 5:30Uhr , die Frisur sitzt. Schule "Advancia" - 6:20Uhr...7:20Uhr...8:00Uhr...? Sollten wir nicht eigentlich schon im Bus nach "Mont Saint Michel" sitzen?
Ok, französische Gelassenheit. Die Lehrer kamen immerhin nur 10-20 Minuten zu spät. Da kann man ja nicht meckern. Die Stimmung ist ausgelassen, eswird getanzt und gelacht.
Ein höchstwahrscheinlich betrunkener junger Mann schläft zwischenzeitlich auf dem Fahrersitz seines weißen Autos direkt vor den schaulustigen Blicken uniformierter Paketdienstler, deren morgendliches Treffen bei Kaffee und Zigaretten recht gediegen verläuft. Gelegentliche Blicke auf Armbanduhren, verstohlene Blicke zur Straße; hin und wieder schleichen grau-weiße Ratten der Lüfte gurrend um uns herum. Dann endlich: L'autocar, der Bus! Die Fahrt verläuft ruhig. Das kontinuierliche Schunkeln läd auch den wachsten "Deutscho" zu einem kleinen Schläfchen ein. Leise schallendes Gelächter
aus dem vorderen Abteil, dem Revier der französischen Lehrergemeinschaft. Nach 5 Stunden hört man die ersten Fotoapparate in die Lüfte schnellen.
Impressionen der Umgebung werden für die Ewigkeit auf digitale Speicherkarten gebannt, Schüler pressen ihre Nasen an die Scheibe des Busses. Angekommen und Instruktionen erhalten, auf geht's!
Mont Saint Michel - 13:00Uhr, es windet.
Munter wird der Berg mitsamt Burg erklommen. Fressbuden und Ansichtskarten sind auf Grund dringend zu verrichtender Notdurften zweitrangig. Munteres treiben, 1 bis 2 andere Touristen.
Der Gipfel - 14:00Uhr, que frío.
Wir werden geteilt. Unsere "Führerin" treibt uns voran. Immer tiefer dringen wir in in die heiligen Hallen des Benediktinerklosters vor. Gepeitscht von rhetorischen Fragen und einem doch sehr einfachen Verständnis der englischen Sprachen wuseln wir zwischen den alten Gemäuern umher. Es wird kalt, wir fühlen die Anwesenheit der Steine förmlich. Nach kurzen 2 Stunden ist alles vorbei - wir sehen endlich das Tageslicht wieder. Wie Vampire in die Dunkelheit, flüchten wir zu den wärmenden Sonnenstrahlen. Es sagt einem ja auch keiner, dass es hier üblich ist, im April Handschuhe zu tragen. Nun machen auch die Wollfäustlinge der steinflüsternden Touristenführerin Sinn.
Das Ende vom Lied - 16:00Uhr, was auch immer!
Müdigkeit und Hunger macht sich breit. Schlurfende Schritte über gepfasterte Wege. Nur noch vereinzelte Blicke in die eigentlich so schöne Landschaft. Oh schau, eine Familie mit schreienden Kindern. Und dort, eine Gruppe voraneilender Chinesen in gelben Jacken. Noch schnell ein Baguette für 5,50€ und ein aufgewärmter Crèpe für den Weg. Einstieg in den Bus. Unsere französischen Begleiterkönnten mit ihrer Dauer-guten-Laune auch ebenso gut den knipsenden und winkenden Asiaten ins Watt folgen. Tun sie aber nicht. Dann eben Rückfahrt. Als hätte man ein Déjà-vu: 5 Stunden und alles ist vorbei. Ohne großes Aufsehen verschwinden die Franzosen wortlos ins Nirgendwo, von wo sie am Morgen kamen. Und was bleibt? 10 Stunden Fahrt für 2 Stunden Führung inklusive sprechender Steine und winterlich milden Temperaturen. Ein schöner Donnerstag.